Mimikresonanz® im Medizinstudium

Sich verständnisvoll in andere Menschen einzufühlen gilt als Schlüsselkompetenz aller, die mit Menschen zu tun haben. Beim Arzt ist diese Fähigkeit zur Empathie sowohl im Patientengespräch als auch bei der Mitarbeiterführung wichtig.
Doch in der Ärzteausbildung wird Empathie bzw. die Fähigkeit zur Empathie in den meisten Fällen als gegeben vorausgesetzt. Schließlich ist Einfühlungsvermögen eine Grundfähigkeit, über die jeder Mensch verfügt. So orientieren sich die medizinischen Curricula zumeist an rein medizinischen Inhalten. Den Soft Skills wird in der Ausbildung von Medizinern relativ wenig Bedeutung beigemessen.
An vielen Fakultäten haben die Medizinstudenten wenig bis keine Möglichkeit, ihre empathischen Fähigkeiten weiter zu entwickeln, da das Fach Empathie im Lehrplan nicht existent ist. Und dies, obwohl in zahlreichen wissenschaftlichen Studien der letzten Jahre gezeigt werden konnte, wie wichtig Empathie als medizinisches „Werkzeug“ bei der Behandlung von Patienten ist.


So konnte nachgewiesen werden, dass Patienten, die von ihrem Arzt Empathie, Verständnis und Respekt erfahren, schneller gesund werden
als Patienten, die diese Erfahrung nicht machen. Damit kommt dem Arzt-Patienten-Gespräch eine wesentliche Bedeutung bei der Genesung des Patienten zu.


Zum anderen konnten Studien unter Onkologen aufzeigen, dass im Patientengespräch nur 22% von ihnen empathisch auf ihre Patienten reagieren konnten. In einer weiteren Studie, die Onkologen und Lungenkrebspatienten betraf, zeigten die Ärzte, dass sie nur bei 11% der Empathie erforderlichen Gelegenheiten entsprechend reagierten.


Hinzu kommt, dass Studenten immer weniger empathisch sind.
Zu diesem Schluss kommt eine Meta-Studie unter insgesamt 14.000 College-Studenten in den USA.
Dem gegenüber steht das Fach Psychologie während des Medizinstudiums. Während der Regelstudienzeit des Medizinstudiums von 12 Semestern und drei Monaten werden hier lediglich die Grundlagen über die geistig-seelischen Eigenschaften des Menschen und das Grundwissen über den Einfluss von Familie, Gesellschaft und Umwelt vermittelt. Einfühlsame, patientenorientierte Gesprächsführung ist kein Studienfach und auch keine Fähigkeit, die dem künftigen Arzt in die Wiege gelegt wurde.


Eine Erweiterung des Lehrplans an den medizinischen Fakultäten um das Fach „Empathie“ oder die Einbindung entsprechender Seminare in den bestehenden Lehrplan könnten dazu beitragen, die Qualität des Medizinstudiums zu verbessern.
Mögliche Inhalte eines solchen Angebotes könnten sein: Entwicklung der eigenen Empathiefähigkeit, empathische Gesprächsführung, aktives Zuhören, Selbstwahrnehmung, Selbstempathie, Stressbewältigung, Burnout-Prophylaxe, Resilienz, empathische Personalführung, Konfliktmanagement, Faktoren, die Empathie verhindern etc.

 

In diesem Zusammenhang kommt dem praxisorientierten Konzept der Mimikresonanz im Hinblick auf ein empathisches Arzt-Patienten-Gespräch eine wesentliche Bedeutung zu.


 

Empathie im Arztberuf
Empathie ist eine ärztliche Kernkompetenz. Sie kann ausschlaggebend für die Berufsentscheidung sein, spielt während des Studiums und in der Sozialisation zum Arzt eine wesentliche Rolle. Wie kann man sie trainieren und verbessern?
Eine häufige Motivation für die Berufswahl „Arzt“ ist der Wunsch, anderen Menschen zu helfen. Doch die Ärzteausbildung misst der Empathie wenig Bedeutung zu. Schließlich ist Einfühlungsvermögen eine Grundfähigkeit, über die jeder Mensch verfügt.

 

Empathie ist mehr als Mitgefühl
Was ist ein empathischer Arzt, ein Dauerlächler oder Dauertröster?
Würde ein Arzt nur die Gemütsverfassung seines Patienten spiegeln, wäre er kein guter Arzt. Er könnte weder trösten noch helfen. „Die wichtigste Zutat zu Empathie ist Präsenz“, schreibt der amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg in seinem Buch „Gewaltfreie Kommunikation“. Besonders in Helferberufen ist das aktive Zuhören mindestens ebenso wichtig wie das Handeln. „Der Glaube, wir müssten Situationen ‚in Ordnung’ bringen und dafür sorgen,
dass es anderen wieder besser geht, hindert uns daran, präsent zu sein“,
so Rosenberg.


Anders als bei Sympathie handelt es sich bei Empathie nicht um eine bewertende, sondern um eine rein beobachtende Wahrnehmung. Eine geläufige Definition
(nach Stewart Mercer und William Reynolds) im ärztlichen Bereich beschreibt ärztliche Empathie als eine Kombination folgender Fähigkeiten:

 

  • Der Arzt nimmt die Situation und die Gefühle des Patienten wahr und interpretiert sie.
  • Er kommuniziert diese Wahrnehmung und überprüft mit dem Patienten deren Richtigkeit.
  • Er beschließt mit dem Patienten hilfreiche therapeutische Schritte.
     

Empathie verlangt also beides: die intuitive Gefühlsansteckung ebenso wie die bewusste Abgrenzung, aus der eine rationale Entscheidung resultiert.
Aus dem vorhandenen Spektrum von Handlungsprogrammen wählt der Arzt das Passende aus. Hat er Gefühle und Erwartungen seines Patienten wahrgenommen, kann er diese bei seiner Entscheidung berücksichtigen. Er erklärt dem Patienten,
wie er sein Problem verstanden hat und welches seiner Meinung nach die Handlungsprioritäten sind. Dabei können die Beobachtungen, die er an seinem Patienten gemacht hat, entscheidend sein. Manche Menschen sind zu schüchtern, um dem Arzt gegenüber die persönliche Tragweite ihres Problems anzusprechen. Andere möchten sich auf das rein Körperliche beschränken und ansonsten in Ruhe gelassen werden.

 

Die Folgen von Empathie sind messbar
In internationalen Studien konnten Wissenschaftler bei empathischen Arzt-Patienten-Beziehungen eine Linderung von Symptomen (z. B. bei einer Erkältung) nachweisen.


In einer Studie an Patienten mit unterschiedlichen Tumorerkrankungen stellte ein Forscherteam an der Universitätsklinik Köln fest, dass Patienten von empathischen Ärzten mehr erkrankungsspezifische Informationen erhielten. Dies wirkte sich positiv auf die Compliance und Zufriedenheit der Patienten aus. Sie konnten mit ihrer Krankheitssituation besser umgehen, empfanden weniger Stress und eine bessere Lebensqualität als Patienten, die ihre Ärzte als weniger empathisch einschätzten.

 

Stress ist der größte Empathiekiller
In einer Metastudie ging ein Forscherteam der Universität Witten/Herdecke der Frage nach, wie sich die Empathie während des Medizinstudiums und in der ärztlichen Tätigkeit entwickelt. Von 669 Studien erfüllten nur 18 Studien die Einschlusskriterien. In keiner der Studien nahm die selbsteingeschätzte Empathie während des Studiums zu. Von den elf Untersuchungen an Medizinstudenten zeigte sich in neun Studien ein signifikanter Empathieverlust im Verlauf des Studiums. Besonders stark war die Abnahme im dritten Studienjahr mit dem Beginn der Patientenkontakte. Die gleiche Tendenz war bei Ärzten in der Facharztausbildung zu beobachten: In sechs von sieben Studien schätzten die Ärzte im Verlauf ihrer Ausbildung ihre Empathiefähigkeit signifikant niedriger ein als zu Beginn. Geschlecht und Alter spielten dabei keine bedeutende Rolle.
Negativer Stress erwies sich als deutlicher Einflussfaktor auf die selbsteingeschätzte Empathie. Als Stressfaktoren von Studenten und Ärzten in der Ausbildung diskutieren die Studienleiter vor allem folgende Faktoren:

 

  • Die erniedrigende Behandlung durch übergeordnete Ärzte oder Mentoren
  • Die seelischen Verletzungen, die der Klinikalltag auf den Idealismus
    der angehenden Ärzte ausübt
  • Die fehlende soziale Unterstützung von Familie und Freunden aufgrund
    des Zeitmangels
  • Schlafdefizit und zu kurze Entspannungsphasen wegen des hohen Arbeitspensums
     

Viele andere, auch internationale Studien aus dem Bereich der Stressbewältigung und klinischen Supervision zeigen, dass damit die ärztliche Empathie verbessert werden kann, weil die Selbstwahrnehmung steigt und als Folge auch eine bessere Wahrnehmung für den Patienten. Letzteres ist die Grundlage von Empathie.

 

Doch wenn wir über Empathie sprechen, kommt man an der Schulung der Selbstwahrnehmung, insbesondere der Stressregulation, nicht vorbei.
Beides hängt eng zusammen: Nur wenn ich mich selbst wahrnehmen kann,
kann ich mich im Stress regulieren. Und nur wenn ich mich selbst wahrnehmen kann, kann ich auch den anderen wahrnehmen und bin fähig zur Selbstempathie und zur Empathie gegenüber anderen, z. B. Patienten.

 

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Empathie während des Medizinstudiums abnimmt. Und auch die medizinischen Curricula orientieren sich zumeist an rein medizinischen Inhalten. Den Soft Skills wird in der Medizin relativ wenig Bedeutung beigemessen. An vielen Fakultäten haben die Medizinstudenten erst sehr spät Kontakt mit „echten“ Patienten. Das Lernen in der Praxis ist aber ganz wesentlich für den ärztlichen Beruf und die Arzt-Patient-Beziehung und damit auch für die Entwicklung von Empathie.

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