Die wissenschaftliche Grundlage

Warum ist die Mimik das zuverlässigste Signalsystem, um die Gefühle eines Menschen
zu erkennen?
Bereits 1877 schreibt der Evolutionsbiologe Charles Darwin in seinem Grundlagenwerk
„Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei den Menschen und den Tieren“: „Die Bewegungen der Mimik enthüllen die Gedanken und Absichten eines Menschen mehr als Worte.“ Darwin war somit einer der ersten, der den nonverbalen Ausdruck von Gefühlen bei Mensch und Tier eingehend studiert und beschrieben hat. Die Mimik ist heute das wissenschaftlich am Besten untersuchte Feld im Bereich der nonverbalen Kommunikation. Ca. 50 Jahre Forschung haben zahlreiche Ergebnisse gebracht, die im beruflichen Kontext, wie in Kunden- oder Mitarbeitergesprächen oder im privaten Umfeld nutzbringend eingesetzt werden können. Mikroexpressionen (kurze Emotionsausdrücke im Gesicht) stellen damit einen spannenden und sehr wirksamen, bisher aber von vielen Menschen unberücksichtigten Zugang zu den Emotionen anderer Menschen dar.

Zu der soliden wissenschaftlichen Grundlage kommt hinzu, dass an keinem anderen Körperbereich Emotionen so deutlich und konkret werden wie im Gesicht. Die übrige Körpersprache (wie z. B. Körperhaltung und Gestik) hat zwar einen zusätzlichen Einfluss auf den nonverbalen Ausdruck von Emotionen – manche Gefühle, z. B. Ärger, zeigen sich auch an einer Bewegung des Körpers nach vorne oder Angst an einem Zurückweichen – aber nur die Mimik kann ohne weitere Zusätze das volle Spektrum der Emotionen ausdrücken. Während uns das Gesicht verrät, welche konkrete Emotion jemand gerade spürt, ist die Körpersprache hier weniger genau. Sie können anhand des Körpers zwar sagen, ob jemand gerade entspannt oder emotional gestresst ist, Sie können aber nur schwer beurteilen, ob es sich bei diesem Stress um Angst, Trauer, Ärger oder Ekel handelt. Sobald das Gesicht als Informationsquelle dazukommt, ist dies leicht möglich. Denn nur die Mimik allein kann z. B. Trauer oder Angst ausdrücken. Meist wird sie dann im Ausdruck durch die Körpersprache unterstützt und die dadurch übermittelte Emotion noch deutlicher.

Wie wichtig das Gesicht als Informationsquelle in einem Gespräch ist, können Sie an folgendem Beispiel merken: "Stellen Sie sich einmal vor, Sie möchten mit einem Freund über ein wichtiges, möglicherweise gar brenzliges Thema sprechen. Telefonieren Sie mit ihm oder ziehen Sie ein persönliches Gespräch von Angesicht zu Angesicht vor?" Wahrscheinlich werden Sie wie die meisten von uns das persönliche Gespräch bevorzugen, weil Sie den anderen dann sehen können. So weit so gut. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie treffen sich, aber während der Unterhaltung hat Ihr Freund eine Sonnenbrille auf. Im Regelfall wird Sie dies verunsichern, denn Ihnen fehlt auf einmal eine wichtige Informationsquelle, um einschätzen zu können, was in Ihrem Gegenüber vorgeht – die Augenregion. Die ist, wie wir später noch sehen werden, der zuverlässigste Bereich im Gesicht, um zu erkennen, wie sich ein Mensch fühlt.

Der mimische „Draht“ zum limbischen System
So stellt sich die Frage, warum nun gerade die Mimik so sehr dafür geeignet ist,
unsere Gefühle auszudrücken? Einer der Hauptgründe dafür ist, dass unsere mimische Muskulatur direkt mit unserem limbischen System verknüpft ist. Dadurch werden Emotionen im Gesicht besonders deutlich. Das limbische System ist ein entwicklungsgeschichtlich sehr alter Teil des Gehirns, der sich aus mehreren Strukturen zusammensetzt (z. B. Amygdala und Hippocampus), die alle in irgendeiner Form mit der Emotionsverarbeitung zu tun haben.

In Untersuchungen konnte aber noch mehr nachgewiesen werden: Unsere Mimik drückt nicht nur unsere Gefühle aus, sie beeinflusst sie auch. In einer Studie (Hennenlotter et al. 2009) wurde gezeigt, dass eine Aktivität der mimischen Muskulatur z. B. das Zusammenziehen der Augenbrauen – zu einer unmittelbaren Aktivität im limbischen System führt. Je stärker die Mimik, desto aktiver das limbische System; je schwächer die Mimik, desto weniger aktiv das limbische System. Dieses Phänomen wird auch als Facial-Feedback-Hypothese bezeichnet.
Zur Facial-Feedback-Hypothese gibt es mittlerweile einige interessante Studien, die belegen, dass unsere Mimik Gefühle nicht nur nach außen kommuniziert, sondern auch nach innen. Wenn wir z. B. bewusst einen ärgerlichen Gesichtsausdruck aufsetzen, werden auch entsprechend Ärger-Gefühle in uns aktiviert. Die Mimik aktiviert und verstärkt also unsere Gefühle.
Das können Sie ganz leicht überprüfen und auch für Ihr Selbstmanagement einsetzen: Wenn Sie sich das nächste Mal ärgern, entspannen Sie doch einmal bewusst Ihr Gesicht (insbesondere die Augenbrauen) und achten Sie darauf, was mit dem Ärger-Gefühl passiert. Sie werden merken: Mit entspannten Augenbrauen fällt Ärgern wirklich schwer.

„Facial Feedback“ ist die Grundlage der Empathie
Das „Facial Feedback“, also das sensorische Feedback der Mimik ans Gehirn, ist auch Grundlage der Empathie. Von Geburt an haben wir die Tendenz, andere nachzuahmen. Besonders gut sichtbar wird dies beispielsweise, wenn Kinder versuchen ihre Eltern nachzumachen. Die Tochter, die die hochhackigen Schuhe ihrer Mutter trägt, oder der Sohn, der sich rasieren möchte, obwohl er noch gar keinen Bart hat. Über das Facial Feedback kommt es dazu, dass wir als Beobachtende in reduzierter Stärke die Gefühle der beobachteten Person spüren. Eine Erklärung dafür, wie dieses sensorische Feedback der Mimik an das Gehirn als Grundlage unseres Einfühlungsvermögens funktioniert, liefert das Konzept der Spiegelneuronen, das 1992 entdeckt wurde.

Die universelle Sprache der Mimik
Charles Darwin war der Erste, der die These vertrat, dass unser mimischer Ausdruck nicht kulturell erworben wird, sondern dass bestimmte elementare Emotionen genetisch programmiert sind. Aufbauend auf diesen Überlegungen formulierte Darwin die sogenannte Universalitätshypothese: die Idee, dass es bestimmte, klar voneinander unterscheidbare Emotionen gibt, deren Gesichtsausdruck kulturübergreifend gleich sei. Lange Zeit galt dies als abwegig. Die herrschende wissenschaftliche Meinung war, dass die Art und Weise, wie wir unsere Gefühle ausdrücken, erlernt sei.

Im weiteren Verlauf war es dann der amerikanische Psychologe Paul Ekman, der damit begann, diese Hypothese wissenschaftlich zu beforschen. Dazu begab er sich auf eine lange Forschungsreise, die ihn nach Chile, Argentinien, Brasilien, Japan und sogar ins Hochland von Papua-Neuguinea führte. Hier spürte er Stämme auf, die bis dahin keinerlei Kontakt zur sogenannten zivilisierten Welt gehabt hatten. Ausgestattet mit Fotos von Männern und Frauen, die verschiedene emotionale Gesichtsausdrücke zeigten, überraschte es ihn, dass die Menschen, die er auf seiner Reise befragte, genau sagen konnten, welche Emotion die jeweiligen Gesichter zum Ausdruck brachten. Seine Forschungsergebnisse – mit denen er bewiesen hatte, dass der Ausdruck bestimmter Emotionen universal und kulturübergreifend gleich ist – präsentierte Ekman 1969 auf der Jahrestagung der amerikanischen Anthropologen. Ekman konnte durch seine Forschung sieben emotionale Gesichtsausdrücke als universell identifizieren. Er bezeichnete diese als BasisemotionenEs handelt sich dabei um Angst, Überraschung, Ärger, Ekel, Verachtung, Trauer und Freude (die Basisemotion „Verachtung“ kam erst etwas später dazu).

Diese und viele andere wissenschaftliche Forschungsergebnisse zur Emotionserkennung machen die Mimik so zuverlässig. Gleichzeitig konnte der amerikanische Psychologe Albert Mehrabian in einer Studie nachweisen, dass insbesondere die Mimik unserer Geschäftspartner darüber entscheidet, ob wir einer Aussage gegenüber ablehnend oder zustimmend eingestellt sind. Das ist die in Kommunikationsseminaren oft zitierte 7-38-55 Regel. Danach ist zu 7% der Inhalt einer Aussage, zu 38% die Stimme und zu 55% die Mimik verantwortlich dafür, wie wir auf eine Aussage emotional reagieren.

 

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